Harzsagenhalle

Ein Klick auf die Sagenbilder öffnet märchenhafte Welten.

Öffnungszeiten

Die Harzsagenhalle hat Winterpause.                 Wiedereröffnung im April 2017.                                Auch in der Winterpause sind nach Anmeldung (05322-6523) Sonderführungen möglich.

Inzwischen

Die Sagen der Harzsagenhalle können in dem kindgerechten Buch von Sonja Weber "Sagenhafte Geschichte - sagenhafte Geschichten" nachgelesen werden. Das Buch ist in der Harzsagenhalle, der Tourist-Info und in Bad Harzburg im Fachhandel erhältlich.

 

Gehen Sie stiften!

Unterstützen Sie die BAD HARZBURG-STIFTUNG durch Spenden oder Zustiftungen in ihrer Arbeit. Informationen unter www.bad-harzburg-stiftung.de.

Die Goslarer Künstler Eduard und Franz Bergmann (Vater und Sohn) schufen den Harzsagenschrein und die Halle auf dem Burgberg von 1928 bis 1932. Das Projekt verschlang die für die damalige Zeit unglaubliche Summe von 30.000 Goldmark. In künstlerisch hochwertiger und detailverliebter Arbeit schufen die Künstler 125 Skulpturen aus Marmor, die die 14 Szenenfenster bevölkern und die Harzer Sagenwelt zu Leben erwecken. Besonders erwähnenswert auch aus der Sicht des Restaurators und der Denkmalpflege ist die enorme konzeptionelle Arbeit. Dabei werden die geschnitzten Figuren auf dem Schrein aus Eichenholz viel zu oft übersehen.

Nach dem frühen Tod Franz Bergmanns blieb die Harzsagenhalle etwa ab den 1960er Jahren über Jahrzehnte geschlossen, die Anlage verfiel zusehends, bis Bergmanns Witwe Charlotte Lison im Jahr 2009 den Harzsagenschrein als Zustiftung in die Obhut der BAD HARZBURG-STIFTUNG gab. Gemeinsam mit den Kur-, Tourismus– und Wirtschaftsbetrieben der Stadt Bad Harzburg und unterstützt von Betrieben und Bürgern der Kurstadt trieb die Stiftung die Restaurierung des Schreins bis zur Wiedereinweihung im August 2014 voran.

In einigen Fällen ist es heute nicht leicht nachzuvollziehen, welche Sage Vater und Sohn Bergmann inspiriert haben mag. Viele Sagen kommen in Varianten in verschiedenen Orten vor, zu anderen lässt sich heute kaum noch etwas finden. In solchen Fällen stützen sich unsere Darstellungen auf einem Tondokument: Es ist ein Mitschnitt der letzten Führung, in deren Rahmen Charlotte Lison selbst die Sagenwelt und die Intentionen ihres Mannes erläutert.

Die wilde Jagd

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Der Legende nach träumte Hanns von Hackelberg, Oberjägermeister des Herzog Julius von Braunschweig, in der Nacht vor einer Jagd, dass er durch einen starken Keiler schwer verletzt würde. Er missachtete die Warnung. Ein blutender Keiler griff ihn an. Mit Saufeder und Hirschfänger konnte Hackelberg das Tier jedoch erlegen. Auf der Harzburg wurde am Abend gefeiert, das mächtige Haupt des starken Keilers zierte die Tafel. Hackelberg hob den Keilerkopf mit einer Hand auf und sprach die überlieferten Worte: „Nun hast du mir doch nichts anhaben können.“

Dabei entglitt ihm der Keilerkopf. Ein spitzer Hauer durchbohrte Hackelbergs rechten Fuß bis zur Sohle. Die Wunde entzündet sich. Noch auf der Rückreise nach Wolfenbüttel starb Hackelberg im Klepperkrug (Klöpperkrug) vor Wülperode bei Vienenburg. Er wurde im Garten des Gasthauses beerdigt, die Grabplatte steht heute im Dorfgemeinschaftshaus Wülperode.

Vor seinem Tod aber verfluchte sich Hackelberg selbst und findet seither keine Ruhe. In stürmischen Nächten jagt er nun in alle Ewigkeiten mit Ross und Hunden „okerauf und okerab“.

Der Mythos und der Jägermeister

Die Wilde Jagd wird ein Volksmythos genannt, der sich auf Erscheinungen am Nachthimmel bezieht, die als übernatürliche Jagdgesellschaft gedeutet wurden. „Gesichtet“ wird die Wilde Jagd vor allem während der Weihnachtstage oder der Rauhnächte. Stets im Verbund mit stürmischen Nächten, was die Verbindung zwischen der Geschichte des Wilden Jägers und der germanischen Sagenwelt mit dem germanischen Windgott Wotan herstellt.

Die Legende gibt es in unterschiedlichen Formen vor allem im Harz und im Solling. Eine Spielart rankt sich um eine reale Person: Hanns von Hackelberg (* angeblich 1521 in Wolfenbüttel; † angeblich 1581 in Wülperode), Oberjägermeister für Herzog Julius von Braunschweig. Er genoss als Jäger großes Ansehen und leitete die Hofjagden.

Die Oma liest vor

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Das Fenster ganz oben in der Mitte des Harzsagenschreins stellt das thematische Dach für das gesamte Kunstwerk dar. Es leitet in das Gesamtthema ein, erinnert an Zeiten, in denen das Vorlesen und Erzählen noch Fernsehen und Computer vielleicht mehr als ersetzten.

Die Roßtrappe

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Der wilde Riese Bodo begehrte die Königstochter Brunhilde, die ihn aber abwies. Als Bodo dann eines Tages durch den Wald streifte, erblickte er Brunhilde auf ihrem Pferd. Der Riese wollte sie in seine Gewalt bringen und jagte sie kreuz und quer durch den Harz. Er hatte sie fast eingeholt, als sich vor ihnen die tiefe Schlucht der Bode beim heutigen Thale auftat.

Brunhilde spornte ihr Pferd an und mit einem mächtigen Satz erreichte es die andere Seite der Schlucht. Der Pferdehuf hinterließ einen tiefen Abdruck im seither „Roßtrappe“ genannten Felsen. So rettete sich Brunhilde, verlor aber ihre goldene Krone, die in die Bode stürzte – und Stoff für eine weitere Sage lieferte [Fenster 14]. Der Riese Bodo aber war zu schwer und stürzte in den Fluss, der nun nach dem Riesen „Bode“ genannt wurde.

Mit Rösslsprung zur Touristenattraktion

Der 403 Meter hohe Granitfelsen der Roßtrappe erhebt sich hoch über das Bodetal im Harz. Als Touristenziel kann er von Thale, Treseburg oder Wienrode aus mit dem Auto angesteuert werden. Wanderwege führen zur Roßtrappe und von Thale aus kann der sagenhafte Felsen auch mit dem Sessellift erreicht werden. In einer Theorie wird die Ansicht vertreten, es könnte es sich beim Felseindruck auch um die Reste eines germanischen Opferbeckens handeln.

So ganz einig sind sich auch die Sagenerzähler nicht, wenn es um den Riesen Bodo und dessen Obsession geht. Mal war er leidenschaftlich in die Königstochter Brunhilde verliebt, in anderen Versionen galt sein ganzes Augenmerk einer Riesenmaid namens Emma. Im Ergebnis macht dies jedoch keinen Unterschied: Sie schafft den Sprung, er nicht.

Hufabdrücke in Felsen sind – wenigstens in der Sagenwelt – nicht selten. Beispiele liefern das Markgräfler Land, Hengstlage im Herzogtum Oldenburg oder Wanen in Luxemburg. Kein Hufabdruck jedoch erreichte den Bekanntheitsgrad der Harzer Roßtrappe bei Thale.

Der Schimmel im Rathaus zu Wernigerode

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Einst ließ der Bürgermeister in Wernigerode einem Fuhrmann dessen Pferd pfänden, obwohl dies unrecht war. Als dies bekannt wurde, gab der Bürgermeister das Pferd aber nicht zurück, sondern ließ es erschlagen. Der Fuhrmann verfluchte den Bürgermeister und sprach: „Ich wünsche, dass mein Pferd Ihnen auf ewig den Besuch abstattet.“

Wenig später sah ein Wachmann vor der alten Post gegen Mitternacht ein Pferd ohne Kopf „Rathshof“ herauskommen. Er erkannte den Schimmel des Fuhrmanns. Das spukende Pferd ging über den Markt in die Heidegasse nieder und weiter im Heidemühlengraben herunter und unter der Stadtmauer durch bis auf den Kirchhof. Dort wendete es und ging zum Rathaus zurück. Als sich die Posten dem Pferd in den Weg stellten, bäumte sich der Schimmel hoch auf, als wollte es die beiden Menschen niederhacken. Diese erschraken fürchterlich und einer davon ist kurz darauf gestorben.

Die Walpurgisnacht

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Wenn der Teufel mit der Hexenbrut auf dem Brocken zu Walpurgis feiert, dann ist bis heute der gesamte Harz munter dabei: Walpurgis ist das Harzer Fest schlechthin. Die Walpurgis-Wurzeln liegen in vorchristlicher Zeit, weisen germanische Ursprünge auf. Seinerzeit wurde mit zahlreichen Opfern bei einem Frühlingsfest das Ende des Winters begangen. Ein langlebiges Ritual, mit dem böse Geister vertrieben werden sollten. Schreckliche Masken, lodernde Feuer und knallende Schüsse sollten bei dieser Aufgabe helfen.

Die Christianisierung der Region vor gut 1000 Jahren bescherte den heutigen Namen Walpurgis, änderte aber im Grunde wenig an den heidnischen Ursprüngen. Gefeiert wurde nun offiziell am Vorabend des Namensfestes der heiligen Walburga, einer Äbtissin (710 bis 779). Mit Hexen und Teufeln hatte sie wenig im Sinn. Erst mit ihrer Heiligsprechung durch Papst Hadrian II. am 1. Mai (vermutlich) 870 avancierte sie zur Namenspatronin der heutigen Walpurgisnacht. Denn aufgrund der Wundertaten, die Walburga vollbracht haben soll, gilt sie nicht allein als Schutzpatronin der Seefahrt, sondern soll sich besonders als Beistand im Kampf gegen böse Geister hervor tun.

Der Sage nach treffen sich die Hexen in der Walpurgisnacht auf dem Hexentanzplatz bei Thale, um von dort aus auf den Brocken zu fliegen. Als „Flugzeuge“ dienen Besen, Mistgabeln oder gar Katzen. Auf dem Brocken tanzen die Hexen in einem großen Kreis mit um das Feuer herum und küssen dem Teufel den Hintern. Damit sind sie mit dem Teufel vermählt, der sie mit dem Hexenmal zeichnet und ihnen die Fähigkeit der Zauberei verleiht.

Die Nacht der Nächte für viele Regionen

Walpurgis, das Hexenfeuer, der Tanz in den Mai – dank Goethes Faust wird dies besonders mit dem Harz und dem Brocken verbunden. Gefeiert aber wird es vielfach in Deutschland und Europa. In den Schweizer Alpen feierte einst die Jugend auf den Tanzbödeli trotz Verbots und in Finnland und Schweden ist Walpurgis für Studentenpartys weiter die Nacht der Nächte.

In der Pfalz, der Eifel und im Saarland treiben die Kinder in dieser Nacht Schabernack, sie „walpern“. In Österreich, Baden-Württemberg, Bayern und der Oberlausitz wird in der Nacht auf den 1. Mai ein Maibaum aufgestellt. Je nach Region Fichten, Tannen oder auch Birken. Mit buntem Krepppapier geschmückte Birken sind es rund um Köln. Derweil ziehen in Heidelberg in der Walpurgisnacht Tausende auf den Heiligenberg zur Thingstätte und feiern.

Die verwunschene Kirche

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Im Klausthal nahe dem heutigen Clausthal-Zellerfeld stand einst eine verwunschene Kirche, in der trieben böse Geister ihr Unwesen. Um die Mitternacht begannen sie, in dem Gotteshaus zu kegeln. Als Kegel dienten ihnen die Gebeine der Verstorbenen, als Kugel die Totenschädel. Dann aber wagte sich ein Müllerbursche in die Kirche und wurde von den Geistern zu einer Kegelpartie um sein Leben aufgefordert. Er gewann das Spiel auf Leben und Tod und die Geister verschwanden.

Lange Liste und viele Varianten

Das Thema ist in der Sagenwelt weit verbreitet, mit Geistern und Gespenstern wird gekegelt, was das Zeug hält. Da greift das Online-Lexikon Wikipedia zu einem ungewöhnlichen Mittel, veröffentlicht sogar eine „Liste der Sagen vom Schatzkegelspiel“. Ein Standardwerk, Heinrich Pröhles 1859 erschienene „Sagen des Ober-Harzes und der Gegend von Harzburg und Goslar bis zur Grafschaft Hohenstein und bis Nordhausen“, kennt zwar ebenfalls die Geschichte einer kleinen Kirche im Klausthal, erzählt diese aber völlig anders:

„Bei dem jetzigen Klausthal hat früher ein Städtlein gestanden, das hat das kleine Klausthal geheißen und ist sehr wohlhabend gewesen. Aber je reicher die Einwohner geworden sind, desto schlechter und gottloser haben sie sich gezeigt. Darüber hat Gott die Stadt untergehen lassen und an der Stelle, wo die Kirche gestanden hat, ist ein Teich entstanden. Das Thal heißt jetzt noch das kleine Klausthal. In der Mitternacht vom Grünen Donnerstage auf den Charfreitag ist die Kirche an der Stelle regelmäßig zu sehen, zugleich zeigt sich ein Reh, das Niemand jagen darf. Einst verführte der Bergmönch einen Bergmann, die Zeit zu verschlafen, und da ging er dann einen Weg, der über den Teichdamm war. Da stand die Kirche da vom kleinen Klausthal, und weil er sich sehr darüber verwunderte, so ging er hinein, kannte aber Niemand von den Leuten, die darin waren, auch nicht den Prediger. Drauf wurde er vom Bergmönch, der ihm da wieder erschien, hinausgeführt, und als er weiter gegangen war, waren Kirche und Steg verschwunden.

Die Hexenküche im Okertal

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Keine Sage, sondern Weltliteratur: Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe lieferte die Vorlage für dieses Fenster des Harzsagenschreins. In Kapitel 9 beschreibt er den Besuch von Mephisto und Faust in der Hexenküche. Dargestellt ist im Schrein, wie sich die Hexen für ihren Flug auf den Brocken präparieren. Es ist dies eine sehr freie Interpretation des Faust, denn dem Doktor wird in der Hexenküche ein Liebestrank eingeflößt.

Rechenkunststücke und Sehenswertes

Die Hexenküche im Okertal gibt es tatsächlich, es ist eine der faszinierenden Felsformationen in der wild-romantischen Landschaft. Es gehört allerdings etwas Fantasie dazu, in dem Felsen eine Küche zu entdecken – aber wer weiß schon, wie Hexenküchen aussehen. Eine Wanderung sind die Felsformationen aber allemal wert. Die Hexenküche aus „wollsackverwittertem Granit“ findet sich nahe der Kästeklippen, wer in Richtung Mausefalle und Feigenbaumklippe geht, kommt an der Hexenküche vorbei.

Dort könnte dann vieleicht Rechenkünste hilfreich sein. Vor allem natürlich das berühmte „Hexen-Einmaleins“ aus dem Faust:

Du mußt verstehn!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei laß gehn,
Und Drei mach gleich,
So bist du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs,
So sagt die Hex,
Mach Sieben und Acht,
So ist's vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins.
Das ist das Hexen-Einmaleins!

Prinzessin Ilse im Bade

« Zurück

Wo der Ilsestein thront, stand einst ein Schloss. Hier lebte die Prinzessin Ilse, die alle Menschen nicht nur durch ihre Schönheit bezauberte. Im Tal beim Schloss wohnte aber eine alte Hexe mit ihrer Tochter Trude. Eines Tages war ein Edelmann zu erschöpft, um gleich weiter zum Schloss zu reisen und um Ilses Hand anzuhalten. Er machte bei der Hexe Rast, deren Tochter sich in den jungen Mann verliebte. Die Hexe träufelte dem schlafenden Ritter ein Zaubermittel in die Augen. Als er aufwachte, sah er Trude und hielt die Hexentochter für das lieblichste Wesen, das er je gesehen hatte. Prinzessin Ilse war vergessen.

Kurz vor der Hochzeit mit Trude war der Ritter allein im Wald unterwegs. Als er an einem klaren Gebirgsbach trinken wollte, wusch er sich den Zauber aus den Augen. Erschrocken eilte er zur Prinzessin Ilse, bei beiden war es Liebe auf den ersten Blick.

Trudes Mutter war außer sich vor Zorn und sagte: „Sollst Du ihn nicht haben, soll ihn keine haben!“ Gemeinsam mit dem Höllenfürsten schickte sie ein Unwetter, das Ilsefelsen, Schloss und dessen Bewohner wegriss. Ilse wurde verwunschen und in den Berg gebannt. Manchmal aber kann man sie in dem nach ihr benannten Fluss baden sehen. Wer sich ihr dann reinen Herzens nähert, wird reich beschenkt. Wer aber Böses im Schilde führt, wird in eine alte, mit Flechten behangene Tanne verwandelt.

h3>Eine Sage reizt die Dichter

Vom Ilsestein blickte Heinrich Heine auf das Flüsschen Ilse, das „wie aus tollen Gießkannen, in reinen Bögen sich ergießt und unten wieder über die kleinen Steine hintrippelt, wie ein munteres Mädchen“. Ein dramatischer Ausflug, denn fast wäre Heine abgestürzt. Und so warnt er in der „Harzreise“: „Ich rate aber jedem, der auf der Spitze des Ilsensteins steht, weder an Kaiser und Reich, noch an die schöne Ilse, sondern bloß an seine Füße zu denken.“

Das Dichten jedoch konnte er trotz der nicht schwindelfreien Tour nicht lassen, flugs schrieb er einige Zeilen über die „Die Ilse“. Und damit stand er nicht allein. Auch Ludwig Wihl machte sich Mitte des 19. Jahrhunderts daran, die Sage in Verse zu gießen.

Die Ilse

Ich bin die Prinzessin Ilse,
Und wohne im Ilsenstein;
Komm mit nach meinem Schlosse,
Wir wollen selig sein.

Dein Haupt will ich benetzen
Mit meiner klaren Well,
Du sollst deine Schmerzen vergessen,
Du sorgenkranker Gesell!

In meinen weißen Armen,
An meiner weißen Brust,
Da sollst du liegen und träumen
Von alter Märchenlust.

Ich will dich küssen und herzen,
Wie ich geherzt und geküßt
Den lieben Kaiser Heinrich,
Der nun gestorben ist.

Es bleiben tot die Toten,
Und nur der Lebendige lebt;
Und ich bin schön und blühend,
Mein lachendes Herze bebt.

Komm in mein Schloß herunter,
In mein kristallnes Schloß.
Dort tanzen Fräulein und Ritter,
Es jubelt der Knappentroß.

Es rauschen die seidenen Schleppen,
Es klirren die Eisensporn,
Die Zwerge trompeten und pauken,
Und fiedeln und blasen das Horn.

Doch dich soll mein Arm umschlingen,
Wie er Kaiser Heinrich umschlang; -
Ich hielt ihm zu die Ohren,
Wenn die Trompet erklang.

Heinrich Heine

Prinzessin Ilse

Das ist die Prinzessin Ilse
Die dort im Berge wohnt
Wo sie von Zwergen bedienet
Als reiche Königin thront.

Sie steiget jeden Frühmorgen
In des Wassers kühlen Schaum
Wer sie im Bade dann findet
Der wird zum Tannenbaum

Es stehn der Tannen gar viele
In ihres Bades Näh
Es hat sie alle verzaubert
Die keusche Wasserfee.

Ludwig Wihl

Der Elfenreigen

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Ein Motiv, das auf unzähligen „Schlafzimmerbildern“ verewigt ist und sich in ebenso unzähligen Varianten durch die Märchen- und Sagenwelt zieht. Eine spezielle Harzer Sage zu diesem Motiv des Harzsagenschreins ist bislang nicht auszumachen, wir suchen weiter. Auch die Witwe des Künstlers bleibt bei ihrer Darstellung beim Allgemeinen, beschreibt die um Mitternacht um den Waldsee tanzenden Elfen und die Faune, die im Hintergrund aufspielen und „den Nix, der aus dem Wasser zuschaut“. Auffällig bei der Darstellung des Harzsagenschreins ist die für die damalige Zeit außerordentlich freizügige Darstellung der nackten Schönheiten.

Die versteinerten Mönche

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Zwei Mönche werden ausgesandt, die Tochter eines Grafen aus den Fängen des Teufels zu befreien. Als sie dem Teufel gegenüberstehen, fangen sie an zu zittern und zeigen sich nicht fest in ihrem Glauben. Der Teufel schlägt daraufhin Feuer aus der Erde und in den Flammen versteinern die beiden Mönche in Sichtweite des Klosters Michaelstein, das im Hintergrund zu sehen ist. Die beiden versteinerten Ordensbrüder kann man sich noch heute anschauen, die Felsen „Hans Mönch“ und „Hennig Mönch“ bei Blankenburg.

Zwei Mönche, viele Möglichkeiten

Versteinerung als Strafe ist in der Sagenwelt außerordentlich beliebt. So wundert es wenig, dass auch die Mär von den versteinerten Mönchen in vielen Varianten zu finden ist und an noch mehr Orten übernommen wurde. Und dies in immer neuen Spielarten. Zu den Blankenburger Mönchen Hans und Hennig gibt es allerdings eine Lesart, die deutlich weiter verbreitet ist als jene, die im Harzsagenschrein dargestellt ist. Demnach berichtet diese Sage, dass die Mönche des Klosters Michaelstein im Bauernkrieg vor einem Überfall fliehen mussten. Der Abt verbot ihnen dabei, sich nach dem verlassenem Kloster umzusehen. Hans und Henning aber waren ungehorsam, schauten zurück und wurden umgehend in die Felsen „Hans Mönch“ und „Henning Mönch“ verwandelt.

Die weiße Frau auf dem Burgberg

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Um die Weiße Jungfrau im Brunnen des Burgbergs und den goldenen Sarg Kaiser Heinrich IV., der darinnen bisweilen erscheinen soll, ranken sich unzählige Sagen. Die Darstellung im Harzsagenschrein macht daraus offenkundig einen „Cocktail“. Demnach wurde einst im tiefen Mittelalter ein Verbrecher namens Schöppenstedt in dem Brunnen versenkt. Die Freiheit sollte er erlangen, wenn er den geheimen Gang im Brunnen finden könnte.

Im Brunnen traf Schöppenstedt eine weiße Jungfrau, die ihn durch den Gang in die Freiheit führte. Dabei kamen sie durch einen Saal, in dem die Kaiser Otto, Heinrich und Barbarossa tafelten, umgeben von Bergen von Gold und Silber. Kommentar der weißen Jungfrau dazu: „Wenn’t bronswieksche Land mal pankerott wörre, soll dat wedder davon herestellt weren.“

Der Freitag ist absunderlich

Offenkundig geht es dem Braunschweiger Land also noch zu gut, wir warten weiter auf Gold und Silber aus dem Burgberg.

Dafür gibt es noch viel mehr Sagen um die Weiße Frau – und die spielen beileibe nicht alle auf dem Bad Harzburger Hausberg. Dort aber wurde die Jungfer oft an präzise beschriebenen Plätzen gesichtet. So beispielsweise „an einem Twisselsbeerbaum über Ruhsack's Wiese an der Ostseite des Burgberges“. Oder auch auf dem Sintinnigsplatze (Sanct-Antoniusplatze). Fast immer ist sie in der Freitagsnacht erschienen. So ist ein Satz aus dem damaligen Schulenrode überliefert: Die ganze Woche wunderlich, der Freitag ist absunderlich.

Der Bergmönch

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In St. Andreasberg in der Grube Samson arbeitete einst ein Bergmann, dem ging es mit seiner großen Familie sehr schlecht. Da sagte der Bergmann eines Tages: „Wolle Gott, es begegne mir heute der Bergmönch, ich wollte ihm so recht mein ganzes Leid klagen, er würde mir vielleicht helfen!“. Als er in den Schacht einfahren wollte, stand plötzlich tatsächlich der Bergmönch neben ihm, drückte ihm Rindertalg in die Grubenlampe und bedeutete ihm, in die Grube einzufahren.

Der Bergmann tat, wie ihm geheißen. Er schuftete den ganzen Tag in der Grube und als er am Abend ausfuhr, stand wieder der Bergmönch vor ihm. Wieder wortlos drückte er ihm einen Rinderknochen in die Hand und verschwand. Auf dem Weg zu Frau und Kindern spürte der Bergmann aber, wie der Knochen immer schwerer wurde. Als er in seiner Hütte angekommen war, stellte er fest, dass der Knochen zu einem großen Klumpen Gold geworden war.

Gescheiterte Sagen-Existenz

Darf’s ein Bergmönch mehr sein? Keine Figur taucht in Heinrich Pröhles 1859 erschienenen „Sagen des Ober-Harzes und der Gegend von Harzburg und Goslar bis zur Grafschaft Hohenstein und bis Nordhausen“ häufiger auf als der Bergmönch. In Klausthal, in Zellerfeld, in Lerbach, in Sankt Andreasberg – auf Harzer Höhen wimmelt es unter Tage geradezu von den sagen- und bisweilen geisterhaften Ordensbrüdern.

Von dem St. Andreasberger Vertreter der Spezies ist dank Heinrich Pröhle sogar der Lebenslauf überliefert. Er war demnach „von Geburt ein Graf“ gewesen und ein „ wirklicher Mönch und wollte die Bergwerke einrichten, brachte es aber nicht zu Stande“. Beim Bau des Rehberger Grabens sei er bankrott gegangen. Nach seinem Tod ließ er sich als Geist an vielen Stellen sehen. Dabei trug er „Puffjacke, Hinterleder und ein Licht, das ist nicht ausgegangen, und wenn der Wind so stark geweht hat, dass er Bäume ausgerissen hat“. Überall dort, wo der Bergmönch gesehen wurde, fanden die Annerschbarricher reiche Erze.

Barbarossa und die Kyffhäuser-Sage

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Durch einen Zauber wurde der Kaiser Friedrich Barbarossa in ein unterirdisches Schloss des Kyffhäuserberges in Thüringen gebannt. Dort sitzt er schlafend auf einem Elfenbein-Thron, das Haupt auf einen Marmortisch gestützt und sein roter Bart wächst um den Thron herum. Um ihn herum hüten Zwerge die Schätze des Kaisers. Alle einhundert Jahre blinzelt Barbarossa, ruft einen Zwerg herbei und heißt ihm, aus dem Berg zu treten und nachzusehen, ob die Raben als Boten von Zwietracht und Unglück noch um den Berg kreisen und krächzen. Tun sie es, versinkt der Kaiser wieder in einen 100-jährigen Schlaf. Sollte aber ein stolzer Adler um den Kyffhäuser kreisen und die Raben verscheuchen, wird der Kaiser mit seinen Getreuen zurückkehren.

Der Stoff, aus dem Balladen sind

Schon zu Lebzeiten war Kaiser Friedrich I., wegen seines roten Bartes Barbarossa genannt, eine sagenumwobene Gestalt. Nach seinem Tod 1190 war es vor allem die Sage vom Friedenskaiser im Kyffhäuser, der wiederkehren und das Reich zu neuer Herrlichkeit führen wird, die populär war. Im Mittelalter sind Fälle bekannt, in denen Hochstapler versuchten, sich als Barbarossa auszugeben. Aber nicht nur die Halbwelt sog Honig aus der Sage. Viele Autoren widmeten sich Barbarossa, an dem auch die Gebrüder Grimm nicht vorbeikamen. Eine berühmte Ballade dichtete Friedrich Rückert:

Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterird’schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat im Schloß verborgen
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit,
Und wird einst wiederkommen,
Mit ihr, zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt:
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.

Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug’ halb offen zwinkt;
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg.

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß auch ich noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr.

Die Krone im Bodekessel

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Mit der „Krone im Bodekessel“ schließt sich der Sagenkreis von der Roßtrappe: Prinzessin Brunhilde will nur jenen zum Manne, der ihr die Krone holt, die sie bei ihrem verwegenen Sprung verloren hat. Alle Versuche jedoch scheitern am Geist des Riesen Bodo, der als riesiger Hund umgeht. Geldgierige Schatzsucher schreckt er in mondbeschienenen Nächten mit seinem Geheul aus dem Bodekessel.

Ein Tipp für Schatzsucher

Dass in der Bode Schätze schlummern müssen, scheint sicher: So viele Sagen können doch nicht irren...

Hier also ein wenig Geographie-Unterricht und ein Tipp für Schatzsucher: Der Bodekessel ist die sagenumwobene und bedeutendste Stromschnell im Verlauf der Bode, zu finden südwestlich der Gaststätte Königsruhe. Wer dabei die Bode auf der 1863 erbauten Teufelsbrücke überqueren will, muss allerdings nicht mehr fürchten, seine Seele an den Fürsten der Finsternis zu verlieren. Der hatte es auf den Brückenbaumeister abgesehen, wurde aber ausgetrickst, indem der Baumeister zur Einweihung der Brücke eine Ziege über die Bode trieb.